Medizinisch-berufsorientierte Rehabilitation (MBO®) unterstützt berufliche Wiedereingliederung
Fallbeispiel
Herr B. erlitt einen Verkehrsunfall, kam nach einem schweren Schädelhirntrauma ins Krankenhaus und wurde operativ versorgt. Anschließend wurde er zur Anschlussheilbehandlung in die Klinik Bavaria Kreischa verlegt. Als Rehabilitand der Deutschen Rentenversicherung wurde Herr B. – entsprechend seiner Einwilligung – in das MBO®-Verfahren aufgenommen.
Es folgte ein stationärer Reha-Aufenthalt in der Klinik mit erweiterter MBO®-spezifischer Diagnostik, mit Erhebung der beruflichen Situation (Agrotechniker/Traktorist), Erstellung des individuellen Rehabilitationsplans und Betreuung durch das interdisziplinäre MBO®-Team (Fachärzte, Arbeitsmediziner, Physiotherapeuten, Psychologen/Neuropsychologen, Ergotherapeuten, Sozialpädagogen und sonstige beteiligte Berufgruppen). Zum Team gehört auch ein Fallbetreuer, der den Rehabilitanden über den gesamten Rehabilitationszeitraum bis zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess engmaschig begleitet. Bereits während des stationären Aufenthalts besuchte der Fallbetreuer den Arbeitgeber und den Arbeitsplatz des Rehabilitanden, um Möglichkeiten der beruflichen Wiedereingliederung am bisherigen Arbeitsplatz bzw. in einer Alternativtätigkeit zu besprechen.
Nach weiteren 2 Monaten ambulanter Behandlung am Wohnort und einer ambulanten Wiedervorstellung in der Klinik Bavaria Kreischa begann eine 3-wöchige erweiterte Belastungserprobung (eBLE) im Medizinischen Zentrum für Arbeit und Beruf (MedZAB). Dabei erfolgte bei steigender Belastung die Testung arbeitstypischer Belastungsformen und Anforderungen aus dem Bereich Schlosserei/Agrartechnik. Der Arbeitgeber hatte sich bereit erklärt, durch innerbetriebliche Veränderungen für Herrn B. einen geeigneten Umsetzarbeitsplatz ohne Fahrtätigkeit zu schaffen.
Die Belastungserprobung im Beschäftigungsbetrieb schloss sich nahtlos an die Belastungserprobung im MedZAB an. Dabei gab es einen engen Kontakt mit dem Reha-Fachberater der Deutschen Rentenversicherung und dem Fallbetreuer der Klinik. Leistungen zu Teilhabe wurden geprüft, ein Lohnkostenzuschuss konnte für die Dauer von 12 Monaten gewährt werden. Eine abschließende ambulante Wiedervorstellung in der Klinik zeigte, dass Herr B. 5 Monate nach seiner schweren Verletzung eine vollschichtige Tätigkeit an dem leistungsangepassten Arbeitsplatz beim bisherigen Arbeitgeber aufnehmen konnte.
Warum MBO® und Medizinische Zentren für Arbeit und Beruf (MedZAB)?
In der heutigen Arbeitswelt kann die berufliche Leistungsfähigkeit durch viele Faktoren gefährdet werden, zum Beispiel durch
Funktionsstörungen und die daraus resultierenden Beeinträchtigungen sowie körperlichen Beschwerden, Bewegungs- und Belastungseinschränkungen bei der Arbeit,
Langzeitfolgen ergonomisch ungünstig gestalteter Arbeitsplätze,
ergonomisch falsches Verhalten bei der Arbeitsausführung,
psychosoziale Probleme im Betrieb durch Stress, Zeitdruck, Mobbing, kognitive Überforderung.
Um diese zunehmend auftretenden beruflich bedingten Probleme sachgerecht behandeln zu können, reichen die Strukturen der herkömmlichen medizinischen Rehabilitation nicht aus.
Welche Ziele hat die MBO®?
die Klärung berufsbezogener Fähigkeiten und Beeinträchtigungen,
die Entwicklung und Vermittlung praxistauglicher Strategien zur Kompensation körperlicher, geistiger und psychischer Defizite, bezogen auf die berufliche Tätigkeit,
die realitätsnahe Vorbereitung des Rehabilitanden auf die berufliche Tätigkeit unter Berücksichtigung der vermittelten Kompensationsstrategien,
die individuelle Fallbetreuung bis zur Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit.
Autorin: Angelika Presl,
Projektleitung MBO®/MedZAB
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www.klinik-bavaria.de
Medizinisches Zentrum für Arbeit und Beruf (MedZAB)
Folgende Leistungen werden unter anderem angeboten:
Berufsorientierte Therapie-, Schulungs- und Trainingsmodule (z. B. Ergonomietraining, Arbeitsplatztraining, psychologische Gruppenarbeit, Kompetenztraining für den Beruf, Stressbewältigung und Entspannung im beruflichen Alltag)
Interne und externe Belastungserprobungen
Berufsbezogenes Belastungsaufbautraining
Berufsbezogene Beurteilung der physischen, psychischen und kognitiven Leistungsfähigkeit
Berufsbezogene Maßnahmen der medizinischen Rehabilitation können für sämtliche Leistungsträger (Deutsche Rentenversicherung, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Krankenversicherung u. a.) im MedZAB erbracht werden.
Chemnitz lädt erstmals zu den „Tagen der Industriekultur" ein
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